Sonntag, 18. Dezember 2016

Kann Gott jetzt kommen?

Foto: Philipp Lintenhofer
Jetzt ist es bald soweit! Das Warten in der Zeit des Advents ist fast zu Ende. Wir zünden heute schon die vierte Kerze am Adventkranz an und in wenigen Tagen feiern wir, dass Gott als Mensch zu uns gekommen ist.

Doch sind wir auch gut darauf vorbereitet, Gott bei uns aufzunehmen? Oder war er eigentlich die ganze Zeit schon bei uns, ohne dass wir es bemerkt haben?

Jetzt kann Gott kommen


Ein Mann erfuhr, dass Gott zu ihm kommen wollte:
„Zu mir?“ schrie er. „In mein Haus?“ Er rannte durch alle Zimmer, er lief die Stiegen auf und ab, er kletterte zum Dachboden hinauf, er stieg in den Keller hinunter. Er sah sein Haus mit anderen Augen. „Unmöglich!“ schrie er. „In diesem Sauhaufen kann man keinen Besuch empfangen. Alles verdreckt. Alles voller Gerümpel. Kein Platz zum Ausruhen. Keine Luft zum Atmen.“ 
Er riss Fenster und Türen auf. „Brüder! Freunde!“ rief er. „Helft mir aufräumen – irgendeiner! Aber schnell!“ 
Er begann, sein Haus zu kehren. Durch dicke Staubwolken sah er, dass ihm einer zur Hilfe gekommen war. Sie schleppten das Gerümpel vors Haus, schlugen es klein und verbrannten es. Sie schrubbten Stiegen und Böden. Sie brauchten viele Kübel Wasser, um die Fenster zu putzen. Und immer noch klebte der Dreck an allen Ecken und Enden. „Das schaffen wir nie!“ schnaufte der Mann. „Das schaffen wir!“ sagte der andere. Sie plagten sich den ganzen Tag. Als es Abend geworden war, gingen sie in die Küche und deckten den Tisch. 
„So“, sagte der Mann, „jetzt kann er kommen, mein Besuch! Jetzt kann Gott kommen. Wo er nur bleibt?“ „Aber ich bin ja da!“, sagte der andere und setzte sich an den Tisch: „Komm und iss mit mir!“

Lene Mayer-Skumanz
in "Weihnachtsfeiern im Advent".
Materialsammlung herausgegeben vom
Deutschen Liturgischen Institut in Trier.

Lene Mayer-Skumanz ist eine österreichische
Schriftstellerin mit dem Schwerpunkt
auf (religiöse und historische) Kinder- und Jugendliteratur.