Mittwoch, 22. März 2017

Bogdans Wort #9

Eine Kurzfassung seiner Predigt vom 3. Fastensonntag:

Das Gespräch Jesu mit der Frau am Brunnen hat zwei Ebenen: die erste, natürliche, in der es um den physischen Durst nach dem Wasser geht. Uns interessiert mehr die zweite, die sich mit dem Sinn des Lebens und unser Streben nach dem Glück und der Erfüllung befasst.


Die Frau hat in ihrem Leben intensiv nach einer glücklichen Beziehung gesucht, sie hat schon den sechsten Partner. Offensichtlich ist in ihrem Leben vieles schon kaputt und sie ist eine berüchtigte Außenseiterin in ihrem Dorf. Sie geht zu Mittag zum Brunnen, in der größten Hitze, um die Begegnung mit den Nachbarinnen zu vermeiden. Sie ist kein Vorbild, aber Christus macht ihr keine Vorwürfe, sondern bietet ihr das lebendige Wasser - seine göttliche Liebe an. Er meint, wenn jemand an Gott wirklich glaubt und ihn liebt, hat er ein erfülltes Leben - mag seine Situation noch so schwierig sein.

Das Bewusstsein, von Gott geliebt zu sein, hilft einem Menschen immer, man ist nicht darauf angewiesen, fieberhaft und oft auf Irrwegen nach Erfüllung und Glück zu suchen. Die großen heiligen Frauen und Männer sind ein Beweis dafür, sie zeigen, dass das wahr ist - auch wenn für uns, die "Durchschnittschristen", so eine vollkommene Liebe zu Gott schwer erreichbar ist. Schwer erreichbar, aber nicht unmöglich, die Richtung ist entscheidend.

Ähnlich ist es - um wieder meinen Lieblingsvergleich zu strapazieren - mit dem Sport. Wir bewundern die Helden des Stadions, die tolle Leistungen vollbringen. Leistungen, die für uns unerreichbar sind. Sie zeigen aber, was ein Mensch erreichen kann, wenn er sich vollständig einem Ziel verschreibt. Theoretisch könnten das auch wir schaffen, wenn wir in jungen Jahren begonnen hätten...

Jesus erwartet keine Meisterschaft von uns, sondern, dass wir uns für ihn entscheiden, nach ihm sehnen. Dass wir es versuchen, ihm nachzufolgen, auch wenn das oft nur bescheidene Erfolge bringt. Er spricht deswegen keine tolle, großartige, vorbildliche Frau an, sondern eine schwache, eine Nicht-Jüdin. Ein verlorenes Schaf eben, wie es auch wir immer wieder sind.